Analyse: Flächenverfügbarkeit für Windenergie an Land

20.11.2019

Bundesweiter Mindestabstand von 1.000 Meter gefährdet laut einer UBA-Studie das Erneuerbaren-Ziel 2030.

Der Ausbau der Windenergie drohe durch die geplante Einführung einer bundesweiten Abstandsregelung von 1.000 Metern zur Wohnbebauung zum Erliegen zu kommen, resummiert das Umweltbundesamt (UBA) mit der Veröffentlichung des Abschlussberichts zum Forschungsvorhaben „Flächenanalyse Windenergie an Land“. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 rund 67 bis 71 Gigawatt (GW) Windenergie an Land zu installieren, sieht die Behörde mit den aktuell ausgewiesenen Flächen "ohnehin nur theoretisch erreichbar".

Für eine erfolgreiche Energiewende ist nach Auffassung des UBA nicht weniger, sondern dringend mehr und vor allem tatsächlich nutzbare Fläche für die Windenergie an Land nötig. "Sonst könnte Deutschland das Ziel, bis zum Jahr 2030 seinen Strom zu 65 Prozent aus erneuerbaren Energien herzustellen, deutlich verfehlen," stellt die Behörde fest. Die Ausbauziele seien von den Ländern und Kommunen raumplanerisch umzusetzen, wobei die Belange des Gesundheitsschutzes der Anwohnerinnen und Anwohner ausreichend zu berücksichtigen seien. Nach Ansicht des UBA geht dies "am bestem mit einer Einzelfallabwägung vor Ort entlang klarer Leitlinien – und nicht über die Ausweitung pauschaler Mindestabstände."

Die Studie spricht sich generell gegen pauschale Siedlungsabstände aus. Insbesondere die Einführung für bestehende Pläne und Pläne im Entwurf wird nicht empfohlen, da dies das Leistungspotenzial stark einschränke und die laufenden Prozesse für Flächenausweisungen verzögere. Die Autoren verweisen dazu auf Erfahrungen mit der sog. 10H-Regelung in Bayern. Diese zeige, dass die Möglichkeit der Abweichung von pauschalen Abständen auf kommunaler Ebene nur selten genutzt würde und kein geeignetes Instrument darstelle, um Flächen innerhalb von pauschalen Abständen zu entwickeln. Aufgrund der starken Einschränkungen der Flächenkulisse durch pauschale Siedlungsabstände über gängige Abstandsvorgaben hinaus empfiehlt die Studie stattdessen die Umsetzung anderer, akzeptanzfördernder Maßnahmen. Hierfür geeignete Maßnahmen sieht das UBA in der:

  • frühen und transparenten Beteiligung der Betroffenen am Planungs- und Ausweisungsprozess,
  • Stärkung der lokalen und regionalen Wertschöpfung mit der Errichtung und dem Betrieb von Windenergieanlagen,
  • Bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung von Windturbinen.

Die UBA-Analyse zeigt, dass deutschlandweit eine Fläche von rund 3.100 km² auf Ebene der Regional- und Bauleitplanung für die Windenergienutzung ausgewiesen ist. Dies entspricht etwa 0,9 % der Fläche Deutschlands. Zwischen den Bundesländern bestehen demnach aber große Unterschiede: Mit jeweils rund 2 % stellen Schleswig-Holstein, Brandenburg, Hessen und das Saarland den größten Anteil ihrer Landesfläche für die Windenergienutzung bereit. In anderen Ländern wie Bayern liegt der Anteil weit unter einem Prozent. Etwa die Hälfte der vorhandenen Bestandsflächen sei bereits mit Windenergieanlagen bebaut. Rund 40 % der ermittelten Flächen befänden sich im Entwurfsstadium und seien folglich noch nicht nutzbar. Die rechtskräftigen Bestandsflächen hätten aktuell ein Zubaupotenzial von 23 GW. Insgesamt betrage das theoretische Leistungspotenzial der bis 2030 potenziell nutzbaren Flächen rund 81 GW.

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