Erneuerbare Energien in Schutzgebieten

09.08.2017

Handlungsleitfaden gibt Aufschluss über Erzeugung von erneuerbaren Energien in Naturparken und Biosphärenreservaten.

Alternative Formen der Energieerzeugung wie Windparks, Photovoltaik-Freiflächenanlagen, Ackerflächen zur Biomasseerzeugung oder leistungsfähigere Stromtrassen benötigen oft große Areale und stellen einen Eingriff in Lebensräume und Landschaftsbilder dar. In dem dreijährigen Forschungsvorhaben „Nationale Naturlandschaften und erneuerbare Energien“ wurde im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) untersucht, welche Auswirkungen die Erzeugung erneuerbarer Energien (EE) in Biosphärenreservaten und Naturparken auf die Schutzgüter und -funktionen der Gebiete haben können. Zudem wurde erforscht, welche Steuerungsmöglichkeiten den Trägern zur Verfügung stehen, um Einfluss auf die Erzeugung erneuerbarer Energien in ihren Gebieten zu nehmen. In einer umfangreichen Bestandsanalyse mit bundesweit 14 Fallstudien wurde die jeweilige Betroffenheit durch EE und weitere Klimaschutzaktivitäten betrachtet.

Ergebnis des Forschungsvorhabens ist ein Handlungsleitfaden, welcher Empfehlungen für die Nutzung erneuerbaren Energieformen in Nationalen Naturlandschaften zusammenfasst. Diese betreffen z.B. die Wahl des Standorts und Gestaltung, Bau und Betrieb von EE-Anlagen. Für den Netzausbau werden Empfehlungen zur Wahl des Trassenverlaufs sowie der technischen und ästhetischen Gestaltung formuliert. Auch werden Vorschläge für den Einsatz der verschiedenen Steuerungsinstrumente unterbreitet, die gezielt verschiedene beteiligte Akteursgruppen adressieren.

Die Empfehlungen wurden sowohl übergreifend als auch für die einzelnen Energieformen Windenergie, Biomasse und Photovoltaik sowie den Netzausbau entwickelt. Sie richten sich vor allem an die Träger von Naturparken und Biosphärenreservaten, aber auch an Entscheidungsträger auf Landes- und Bundesebene sowie weitere mit den Zielen von Biosphärenreservaten und Naturparken und den Themen erneuerbare Energien, Netzausbau und Klimaschutz befasste Akteure.

Zentrale Handlungsempfehlungen:

  • Damit Steuerungsinstrumente und -ansätze auf örtlicher Ebene zielgerichtet greifen können, sind vorgeschaltete planerisch-konzeptionelle Aussagen auf übergeordneter Ebene notwendig – insbesondere in Form einer qualifizierten, flächendeckenden und aktuellen Landschaftsrahmenplanung.
  • Um die Auswirkungen erneuerbarer Energien auf Natur und Landschaft in Biosphärenreservaten und Naturparken naturverträglich zu steuern, sind darüber hinaus regulative Instrumente einzusetzen. Hierfür bieten insbesondere die Regional- und Bauleitplanung, Schutzgebietsverordnungen sowie die gute fachliche Praxis nach § 5 Abs. 2 und 3 Bundes-Naturschutz-Gesetz grundsätzlich gute Möglichkeiten. Sie weisen aber zum Teil Vollzugsdefizite auf, die sie in ihrer Wirksamkeit einschränken. Diese Instrumentengruppe gilt es daher zu stärken, indem bestehende zugrunde liegende rechtliche Regelungen ergänzt oder konkretisiert werden und/oder sie konsequenter angewendet werden.
  • Bei den anreizorientierten Instrumenten sollten insbesondere im Bereich der Land- und Forstwirtschaft die Fördermöglichkeiten so zugeschnitten werden, dass die sensiblen Gebietskulissen bzw. Zielsetzungen von Biosphärenreservaten und Naturparken berücksichtigt werden.
  • Über kooperativ-beratende Ansätze können Träger von Biosphärenreservaten und Naturparken auf informeller Ebene steuernd wirken und ihre gebietseigenen Ziele und Leitlinien in Bezug auf erneuerbare Energien und Klimaschutz einbringen. Sie sollten dazu in die Lage versetzt werden, über Information, Beratung und Kooperation bei konkreten Maßnahmen eine aktive gestaltende Rolle einzunehmen.

Weiterführende Informationen:

Weitere aktuelle Veröffentlichungen in der Skripten-Reihe des BfN zum Thema erneuerbare Energien können hier heruntergeladen werden.

Service-Rubrik

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