Raumnutzung des Rotmilans im Vogelsbergkreis

20.11.2019

In Hessen wurde das Flugverhalten des Rotmilans in Abhängigkeit von Witterung und Landnutzung im Bereich von Windparks untersucht.

Im hessischen Vogelschutzgebiet Vogelsberg wurde in den Jahren 2016 bis 2018 das Flugverhalten des Rotmilans in Abhängigkeit von Witterung und Landnutzung untersucht, wobei ein Fokus auf der Analyse der Raumnutzung im Bereich von Windparks lag. Die Studie wurde vom NABU Landesverband Hessen, dem Planungsbüro Bioplan und dem Büro für faunistische Fachfragen im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen durchgeführt. Der Abschlussbericht wurde nun veröffentlicht.

Für die Untersuchung wurden sechs Tiere mit einem GPS-Sender versehen, der Daten über die Höhe und den Aufenthaltsort der Tiere lieferte. Während der Projektlaufzeit konnten über 800.000 Ortungspunkte gesammelt werden. Der eingesetzte Sendertyp hat sich für die Beantwortung der Fragestellung als geeignet erwiesen. Aufgrund des Verlustes von drei Sendertieren während des Untersuchungszeitraums (Prädation, Verkehrsopfer und Vergiftung) war die verfügbare Datengrundlage geringer als ursprünglich im Forschungsvorhaben vorgesehen.

Im Ergebnis war die Siedlungsdichte in den beiden untersuchten Schwerpunkträumen im Vergleich zum landesweiten Durchschnitt überdurchschnittlich hoch, was von den Forschern auf den vergleichsweise geringen Waldanteil im Untersuchungsgebiet zurückgeführt wird. Der ermittelte Bruterfolg war in den Jahren 2016 und 2017 hingegen geringer als in anderen Landesteilen und als in früheren Untersuchungen, wofür von den Autoren für das Jahr 2017 ein schlechteres Nahrungsvorkommen und mehrere Starkregen- und Sturmereignisse und für beide Jahre dichteabhängige Regulation als mögliche Begründung herangezogen werden.

Die Studie macht weiterhin Aussagen zu den Aktionsräumen der besenderten Vögel, die zwischen Individuen und Geschlechtern sowie im Verlauf der Brutzeit variierten. Ebenso wurden Flugaktivität und Flughöhe im Tages- und Jahresverlauf analysiert, wobei der größte Anteil der Flüge in den Mittagsstunden registriert wurde. 81 Prozent der Ortungen im Flug wiesen eine Flughöhe unter 100 Meter und 72 Prozent unter 75 Meter auf.

Ein wesentliches Ziel der Untersuchung war, Flugaktivitäten, Flughöhe und Aktionsräume in Abhängigkeit von Wetter und Geländeform zu betrachten. Die Ergebnisse zeigen dabei einen relativ geringen Einfluss der Wettervariablen.

Bei der Betrachtung des Einflusses der Landnutzung und -bewirtschaftung auf das Flugverhalten wurde deutlich, dass die meisten Landnutzungstypen nicht proportional zu ihrem Flächenangebot genutzt wurden. Es zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede im Verlauf der Brutsaison sowie zwischen den einzelnen Rotmilanen. Kürzlich bewirtschaftete Flächen wurden außerdem häufiger beflogen als Flächen, die aktuell nicht bearbeitet wurden.

Die Analyse des Flugverhaltens im Windpark zeigte, dass Windparks und einzelne Windräder nicht von den Rotmilanen umflogen wurden. Es wurden mehrfach mastnahe Flüge beobachtet. Die Flüge erfolgten überwiegend parallel zur Rotorausrichtung, Durchflüge durch drehende Rotoren wurden nicht festgestellt.

Weiterführende Informationen:

  • Heuck, C.; Sommerhage, M.; Stelbrink, P. et al. (2019): Untersuchung des Flugverhaltens von Rotmilanen in Abhängigkeit von Wetter und Landnutzung unter besonderer Berücksichtigung vorhandener Windenergieanlagen im Vogelschutzgebiet Vogelsberg. Im Auftrag des Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen. Abschlussbericht
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