Windräder belasten Immobilienpreise nicht negativ

02.07.2014

Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum, sieht nach seiner Analyse bislang vorliegender Daten eher andere Wirkzusammenhänge.

Entgegen der häufig vorgetragenen Argumentation von Windenergieskeptikern, dass der Wert von Häusern und Wohnungen durch Windräder gemindert werde, ist der wirksamste Faktor eher auf der Nachfrageseite auszumachen: die rückläufige demografische Entwicklung in strukturschwachen, ländlichen Regionen.

Windräder schmälern nicht die Attraktivität einer Region

Von Herbert Troff analysierte Grundstücksmarktberichte aus dem Jahr 2013 belegen, dass in Küstenregionen, die als Zweit- und Alterswohnsitz immer attraktiver werden, die Immobilienwerte kräftig ansteigen und zahlreiche Neubaugebiete ausgewiesen wurden, obwohl in den dortigen Gemeinden besonders viele Windenergieanlagen errichtet wurden. Mit steigender Einwohnerzahl entstünden in den Orten neue Arbeitsplätze, was wiederum Bedarf an Wohnraum weckt. "Die ökonomischen Faktoren treiben die Immobilienpreise in die Höhe, daran ändern Windräder nichts", bilanziert Vornholz.

Komplexität der Wirkzusammenhänge erschwert die Erforschung

Bereits im Jahr 2011 hatte die Stadt Aachen in einer Langzeituntersuchung rund um den Windpark Vetschau festgestellt, dass es "höchstunwahrscheinlich sei", dass Windenenergieanlagen die Werte der umliegenden Wohnimmobilien beinflusst haben.

Für wissenschaftlich belastbare Daten zu langfristigen Auswirkungen der Windenergienutzung auf die Preisentwicklung von Wohnimmoblien müssten Bedingungen vorliegen, die man in der Realität kaum vorfinden werde, so Vornholz.

Preisschwankungen stabilisieren sich mit der Zeit

Seiner Einschätzung nach wirken Bürgerproteste ähnlich wie selbsterfüllende Prophezeiungen, denn potenzielle Käufern würden kurzfristig abgeschreckt bzw. nutzen diese schlicht das Argument, um den Kaufpreis zu drücken. Der Preisrückgang reguliere sich jedoch mit der Zeit wieder auf Normalniveau mit zunehmender Gewöhnung der Anwohner an die Anlagen. Zudem sei vor dem gesellschaftlichen Hintergrund der Energiewende mit einem allgemeinen Wertewandel zu rechnen, durch den Windräder "soviel Akzeptanz finden werden, dass es auch in der Planungsphase nicht mehr zu Preisrückgängen kommt."

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