Bedarfsgerechte Befeuerungstechnologien

Mit der bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung ist eine innovative Lösung entwickelt worden, die es über eine radargestützte Steuerung gestattet, die Warnlichter am Windrad nur dann zu aktivieren, wenn sich ein Flugobjekt diesem kritisch nähert. Dadurch können zum einen die tatsächlichen Emissionen, die Anwohner beeinträchtigen können, gemindert werden und zum anderen kann unter Einhaltung gesetzlicher Vorgaben die objektive Luftverkehrssicherheit erhöht werden, da nur noch die für den jeweiligen Fahrzeugführer relevanten Hinderniskennzeichnungen aktiv sind. Unterschieden werden grundsätzlich
zwei Formen von Radarsystemen:

  • das Aktivradar und
  • das Passivradar

welche beide auch als Primärradar bezeichnet werden können.

Beim Aktivradar (z.B. Airspex-Technologie von Enertrag entwickelt) werden von Antennen im Windpark elektromagnetische Impulse erzeugt, die an Flugobjekten reflektiert und von Sensoren erfasst werden. Aus den empfangenen Echos wird die Flugroute des Luftfahrzeugs errechnet und im Fall einer kritischen Annäherung die Befeuerung im Windpark eingeschaltet.

Ein Passivradar (z.B. Parasol-Technologie von Fraunhofer/Dirkshof entwickelt) wertet hingegen den Dopplereffekt und die Reflexionen kontinuierlich bestehender elektromagnetischer Wellen an Hindernissen wie Windenergieanlagen aus. Hier bieten sich bereits vorhandene Funksignale für Rundfunk, Mobilfunk oder ähnliches an.

Die Variante des sogenannten Sekundärradars ist in Deutschland aktuell nicht realisierbar. Hier empfängt ein im Windpark installierter Radarsensor die Transpondersignale, die von Flugzeugen und Hubschraubern ausgesendet werden. Da jedoch im deutschen Luftraum für Flugobjekte keine Transponderpflicht bzw. keine Transponder-Einschaltpflicht besteht, würden zwangsläufig nicht ausnahmslos alle Objekte erfasst.

Derzeit sind erst einige wenige Technologiesysteme in norddeutschen Pilotwindparks getestet und durch die Deutsche Flugsicherung (DFS) offiziell anerkannt worden. So werden beispielsweise im Sommer 2016 Installationen von Airspex-Technik in den Windparks Langenhorn II und Bordelum III vorgenommen. Im Bürgerwindpark Reußenköge steht die Parasol-Technik kurz vor der Systemzulassung. Andere Firmen wie Quantec und Siemens in Kooperation mit dem dänischen Radarspezialisten Terma haben ebenfalls schlüsselfertige Komplettlösungen entwickelt.