Windenergie und Landschaftsbild

Die Windenergienutzung prägt – wie schon Energiegewinnungsarten früherer Zeiten – unser Landschaftsbild mit. Damit der Eingriff in die Landschaft nicht zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität für den Menschen führt, ist eine sensible Standortwahl für Windenergieanlagen wichtig.

© Gerhard Hübner / photocase.com
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Landschaftsbild(er) als planungspraktische und politische Herausforderung

Die Bewertung des Landschaftsbildes ist von subjektiven Sichtweisen der Menschen abhängig. Dabei gilt die grundsätzliche Frage, was als schön oder als hässlich empfunden wird, als schwer zu beantworten. Kulturlandschaften, ob flach und ausgeräumt oder bergig und stark strukturiert, unterliegen alle einem permanenten Wandel, der Mensch verändert sie ständig nach seinen Vorstellungen und Raumansprüchen. Die ästhetische Qualität von Landschaft wird zum einen – wie in Literatur und Fotografie – kultiviert und konserviert. Zum anderen ändern sich über die Generationen hinweg das allgemeine Schönheitsempfinden, die visuellen Gewohnheiten und Erfahrungen. Diese Vielfalt und Dynamik beeinflussen nicht nur das ästhetische Empfinden sondern als Folge auch den planerischen Umgang mit dem Landschaftsbild. Für die fachgerechte Planung von Windenergieanlagen bedeutet es, dass hinsichtlich des Eingriffes in das Landschaftsbild ein Mindestmaß an Objektivität hergestellt werden muss, wo eigentlich subjektive und schwer operationalisierbare Faktoren vorherrschen.

Der rechtliche Umgang mit dem Landschaftsbild

Auf bundesgesetzlicher Ebene ist der Schutz des Landschaftsbildes insbesondere im Bundesnaturschutzgesetz verankert. § 1 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG nennt als eines der Gesetzesziele die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie den Erholungswert von Landschaft auf Dauer zu sichern. Eingriffe in Natur und Landschaft sind in den §§ 13 ff. BNatSchG geregelt. Demnach sind erhebliche Beeinträchtigungen der Schutzgüter weitest möglich zu vermeiden. Für unvermeidbare Eingriffe sieht § 15 Abs. 2 BNatSchG vor, dass diese ausgleichen oder ersetzt werden müssen. Eine Ersatzmaßnahme kann in Form eines monetären Ausgleichs erfolgen. Die bundesrechtlichen Regelungen werden durch die Landesnaturschutzgesetze ergänzt und ausgestaltet. Form und Höhe von Kompensationsmaßnahmen für Eingriffe in das Landschaftsbild durch Windenergieanlagen können in den Bundesländern variieren. (weiterlesen...)

Der Wunsch nach Harmonisierung der Planungsgrundlagen

In den einzelnen Bundesländern haben sich diverse Verfahren zur Bewertung des Landschaftsbildes ausdifferenziert: beispielsweise wird in Hessen das so genannte Darmstädter Modell angewandt, in Nordrhein-Westfalen wird die Methodik von Nohl angewandt – Brandenburg , Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben dagegen eigene Methoden entwickelt. Da die verschiedenen Bewertungsverfahren zu unterschiedlichen Höhen der Ersatzgeldzahlungen führen, wird eine bundeseinheitliche Lösung angestrebt. In der Bundeskompensationsverordnung, die derzeit im Entwurf vorliegt, soll diese Vereinheitlichung der Eingriffsregelung auf Bundesebene herbeigeführt werden (§ 15 Abs. 7 BNatSchG).

Ausblick

In Zeiten der Energiewende wird deutschlandweit in Gesellschaft und Politik diskutiert, welche landschaftsbildverändernde Dimension der Windenergieausbau entfalten darf, welche visuellen Auswirkungen akzeptabel sind und wie Sehgewohnheiten in der Windenergieplanung berücksichtigt werden können. Welche Landschaften sollen als „Kulturlandschaftsgedächtnis“ von derlei Eingriffen verschont bleiben und welche Räume können zu modernen Energielandschaften weiterentwickelt werden, sind nur zwei von vielen Fragen. Die Ausbauziele der Windenergie an Land begründen weitere sichtbare Veränderungen von Landschaften. Bewertungsmethoden bedürfen daher einer intensiven, kontinuierlichen Befassung in der (landes-)planerischen Praxis, um sich allgemein gültigen Standards zu nähern und damit auch zukünftig Akzeptanz für die Energiewende zu sichern.

Weiterführende Informationen:

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