Natur- und Artenschutz

Die Windenergienutzung leistet einen positiven Beitrag zum Klimaschutz, was dem Schutz und der Erhaltung von Arten und ihren Habitaten ebenso zugutekommt. Auch wird durch den Ausbau der Windenergie die Nutzung anderer Energieträger - wie bspw. der Braunkohle, deren Abbau immer einen massiven Eingriff in den Naturhaushalt bedeutet - reduziert.

Dennoch können dem Bau und dem Betrieb von Windenergieanlagen gemäß § 35 Abs. 3 Nr. 5 Baugesetzbuch (BauGB) Anforderungen des Natur- und Artenschutzes entgegenstehen. Diese ergeben sich aus dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), aus den Naturschutzgesetzen der Länder sowie aus dem dazu erlassenen Ausführungsrecht, wie beispielweise aus Schutzgebietsverordnungen. So sind geschützte Teile von Natur und Landschaft entsprechend der für sie geltenden Vorschriften bereits bei der Flächenausweisung sowie bei der Standortwahl für Windenergieanlagen zu berücksichtigen.

Artenschutz

Weitere Belange können sich aus dem Artenschutzecht ergeben, da durch die Errichtung und den Betrieb von Windrädern Lebensräume - vor allem von Vögeln und Fledermäusen - beeinträchtigt werden können. Die Vorgaben des Artenschutzrechtes müssen bei allen Windenergievorhaben somit umfassend berücksichtigt werden. Dabei ist insbesondere § 44 Abs. 1 BNatSchG relevant, der verbietet, Tiere der besonders geschützten Art zu töten, zu verletzen oder zu stören sowie ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören.

Artenschutzfachliche Aspekte in den Bundesländern

Um den Anforderungen des Natur- und Artenschutzes gerecht zu werden, machen die meisten Bundesländer Vorgaben für die Verwaltung  zum Umgang mit artenschutzrechtlichen Aspekten bei der Windenergieplanung, bspw. in Form von Erlassen, Leitfäden oder Arbeitshilfen. Darin werden i.d.R. windenergiesensible Arten (insbesondere Vögel- und Fledermäuse) gelistet und bspw. methodische Vorgaben zur Erfassung dieser im Rahmen der artenschutzfachlichen Untersuchungen gegeben. Oft sind auch Maßnahmen enthalten, die für die Vermeidung von artenschutzrechtlichen Konflikten umgesetzt werden können. Entsprechende Vorschriften sind meist für die an der Genehmigung beteiligten Behörden verbindlich und Abweichungen sind nur im Einzelfall möglich. Teilweise handelt es sich bei den Landesvorgaben auch um Empfehlungen (siehe Übersichtstabelle).

Erkenntnisgewinn durch Forschung und Monitoring

Der Ausbau der Windenergie führt zu einem großen Erkenntnisgewinn über das Verhalten von Arten in ihren Habitaten, da während der Planungsphase umfangreiche artenschutzfachliche Untersuchungen - bspw. zur Raumnutzung einer Art im Windparkumfeld - vorgenommen werden. Manchmal werden weitere Beobachtungen auch während des Anlagenbetriebs durchgeführt, bspw. um Aussagen über die Wirksamkeit von umgesetzten Artenschutzmaßnahmen treffen und ggf. Nachbesserungen vornehmen zu können.

Insgesamt erfordert der Bau und Betrieb von Windenergieanlagen mit Blick auf mögliche Auswirkungen auf Arten und ihre Habitate besondere Sensibilität. Wissenschaftliche Erkenntnisse in diesem Bereich werden in einer Vielzahl von Forschungsvorhaben fortlaufend ausgebaut (siehe Forschungsvorhaben in der Spalte rechts). Im Rahmen der Forschungsprojekte werden bspw. Handlungsempfehlungen an die Planungspraxis formuliert, welche wiederum in die landesplanerischen Vorgaben Eingang finden.

Trend

Für den Schutz von Fledermäusen wird bereits seit einigen Jahren der Betrieb von Windrädern auf Grundlage von Abschaltalgorithmen reguliert, indem die Anlagen zu Zeiten der höchsten Fledermausaktivität nachts abgeschaltet werden. Zunehmend treten auch für die Minimierung von Konflikten mit windenergiesensiblen Greif- und Großvogelarten technische Systeme zur Betriebsregulierung in den Fokus. Diese kamera­- oder radargestützten Systeme können die Abschaltung einer Windenergieanlage auslösen, wenn sich ein Vogel den Rotoren nähert. Im Rahmen von Pilot­- und Forschungsvorhaben werden derzeit starke Bemühungen angestellt, technische Erfassungssysteme für den Schutz von Greif- und Großvögeln beim Betrieb von Windenergieanlagen an Land einsetzen zu können. Für eine rechtssichere Anwendung sind aktuell noch verschiedene Herausforderungen zu bewältigen und offene Punkte zu klären.

 

Weiterführende Informationen:

FA Wind Aktivitäten

FA Wind Veröffentlichungen

Weitere Fachliteratur

Fledermäuse und Windenergie

Ergebnisse aus den Forschungsvorhaben RENEBAT I - III

Ergebnisse aus weiteren Forschungsvorhaben

  • Meschede, A.; Schorcht, W.; Karst, I. et al. (2017): Wanderrouten der Fledermäuse; In: BfN-Skripten 453
  • Hurst, J.; Biedermann, M.; Dietz, C. et al. (2016): Fledermäuse und Windkraft im Wald; In: Naturschutz und Biologische Vielfalt 153

Haselmäuse und Windenergie

  • Büchner, S.; Lang, J.; Dietz, M. et al. (2017): Berücksichtigung der Haselmaus (Muscardinus avellanarius) beim Bau von Windenergieanlagen. In: Natur und Landschaft 92 (8)

Vögel und Windenergie

Rotmilan

  • Heuck, C.; Sommerhage, M.; Stelbrink, P. et al. (2019): Untersuchung des Flugverhaltens von Rotmilanen in Abhängigkeit von Wetter und Landnutzung unter besonderer Berücksichtigung vorhandener Windenergieanlagen im Vogelschutzgebiet Vogelsberg. Im Auftrag des Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen. Abschlussbericht / Weitere Informationen und Karten

Schwarzstorch

  • gutschker- dongus & Büro für ökologische Fachfragen (2018): Untersuchungen des Flugverhaltens von Schwarzstörchen in Abhängigkeit von Witterung und Landnutzung unter besonderer Berücksichtigung vorhandener WEA im Vogelschutzgebiet Vogelsberg. Im Auftrag des Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung. Abschlussbericht / Weitere Informationen und Karten

Uhu

Technische Systeme zur Betriebsregulierung

Rechtliches

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Sonstiges

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Forschungsvorhaben zum Thema

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