Rückbau und Recycling

© FA Wind, 2018/Janto Trappe, Hannover
© FA Wind, 2018/Janto Trappe, Hannover

Windenergieanlagen prägen seit rund 20 Jahren den Energiemarkt und das Landschaftsbild in Deutschland. Das sukzessive Auslaufen der EEG-Förderung ab 2020 stellt Behörden und Anlagenbetreiber nun vor neue Herausforderungen. Neben Fragen zum Repowering und zum wirtschaftlichen Weiterbetrieb rücken zunehmend auch der Rückbau und das Recycling von Windenergieanlagen in den Fokus.

Rückbau und Recycling sind eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, der sich Windenergiebetreiber, -hersteller und Behörden gemeinsam widmen müssen. So sind mit dem Rückbau große Materialmengen verbunden, die möglichst rückstandsfrei (wieder)verwertet werden sollen. Zudem gibt es bisher keine einheitlichen rechtlichen Vorgaben, die insbesondere Behörden praxisnahe Handreichungen an die Hand geben.

Rechtliche Vorgaben

Eine Beseitigung stillgelegter Anlagen ist nur in Ausnahmefällen im Wege immissionsschutzrechtlicher (§ 20 BImSchG) oder bauordnungsrechtlicher Vorgaben möglich. Vor dem Hintergrund einer zeitnahen Auswahl eines Handlungsverantwortlichen (Grundstückseigentümer, Betreiber oder Gemeinde) und dementsprechender Haftungsfragen sind die bau- und immissionsschutzrechtlichen Instrumente für einen Rückbau wenig zielführend. Bislang ebenfalls wenig konkret ausgestaltet sind die Überwachungsbedürftigkeit, die Produktverantwortung von Windenergieanlagenherstellern, die Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, der Gewerbeabfall- und der Abfallverzeichnisverordnung.

Spezifische Vorgaben zu den Rückbaupflichten von Windenergieanlagenbetreibern beinhaltet das Baugesetzbuch (BauGB). So beinhaltet das Baugesetzbuch die Obliegenheit einer Selbstverpflichtungserklärung des Anlagenbetreibers (§ 35 Abs. 5 S. 2 BauGB). Der Gesetzgeber hat in diesem Fall jedoch keine allgemeine, eigenständig vollstreckbare Rückbaupflicht geschaffen. Vielmehr obliegt es der jeweiligen Behörde, im Zuge der Erteilung einer Windenergieanlagengenehmigung eine eigenständige Rückbauverpflichtung mit dem Anlagenbetreiber abzuschließen. Die genaue Ausgestaltung ist insbesondere hinsichtlich der Vollstreckung, Sicherungsmittel und ihres Umfangs (Turm, Fundament) bislang nicht konkret geregelt. Das stellt Behörden vor eine Vielzahl von Fragen. Zugleich bietet die momentanen rechtlichen Vorgaben auch großes Gestaltungspotential für die beteiligten Akteuren.

Darüber hinaus beinhaltet das BauGB auch die Möglichkeit, den Anlagenrückbau im Rahmen von Bebauungsplänen sicherzustellen. Nach § 249 Abs. 2 BauGB kann die Neu-Errichtung von Windenergieanlagen zugleich mit konkreten Vorgaben zum Anlagenrückbau verbunden werden. Konkretere Gestaltungsmöglichkeiten haben Gemeinden und Betreiber bei Vereinbarungen im Rahmen städtebaulicher Verträge (§ 11 BauGB).

Recycling und Rückbau in der Praxis

Neben den gesetzlichen und vertraglichen Handlungsinstrumentarien der Behörden sind in der Praxis die stoffliche Zusammensetzung von Windenergieanlagen und die Bewältigung großer Materialmengen von Bedeutung.

Während der Anlagenturm aus vielen Tonnen Beton (60-65 % Gesamtgewicht der Anlage) oder Stahl (30-35 %) besteht, ist die Zusammensetzung der Rotorblätter deutlich vielgestaltiger. Neben einem Anteil aus Balsaholz, Metall und reinem Kunststoff besteht das Rotorblatt aus Verbundstoffen wie Carbon- oder Glasfaserverbundstoffen (2-3 %). Metallische Bestandteile sind sehr gut wiederverwertbar. Bei Beton erfolgt eine stoffliche Verwertung; beispielsweise für den Straßenbau.

Ein Problem besteht derzeit noch bei neueren Materialien, wie sie in den Rotorblättern eingesetzt werden. Glasfaserstoffe können durch thermische Verwertung in der Energieerzeugung verwendet werden. Eine interessante Option ist dabei der Einsatz in der Zementherstellung, wobei die als Rückstände anfallenden mineralischen Fasern gleichzeitig einer stofflichen Verwertung zugeführt werden. Demgegenüber stellen Carbonfaserstoffe die Praxis noch vor Herausforderungen. Sie können bislang nur unter großem Energieaufwand und nicht rückstandsfrei verwertet werden. Dennoch gibt es hierfür erste Lösungsansätze, aus Wissenschaft und Praxis.

 

Weiterführende Informationen:

FA Wind Aktivitäten

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