Windenergie im Wald

Bei der Suche nach geeigneten Standorten für die Windenergienutzung an Land rücken zunehmend auch Waldflächen in den Fokus. In den Mittelgebirgsregionen befinden sich windhöffige Standorte beispielsweise häufig auf bewaldeten Höhenzügen. Insbesondere in den waldreichen Bundesländern werden seit einigen Jahren vermehrt Windenergieanlagen im Wald errichtet und Planungen finden immer öfter auf Waldstandorten statt. In den waldärmeren Bundesländern ist der Wald dahingegen durch die Landesraumordnung als Ausschlussgebiet gekennzeichnet und steht somit nicht als Standort für die Windenergienutzung zur Verfügung (siehe Übersichtsgrafik).

Herausforderungen

Wälder sind komplexe Ökosysteme, Ort für menschliche Erholung, Naturerlebnis und Lebensraum für eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten. Baun und Betrieb von Windenergieanlagen im Wald können spezifische Fragen aufwerfen und Planer, Forstwirte, Naturschützer und Kommunen vor verschiedene Herausforderungen stellen.

© FA Wind 2015 / Janto Trappe
© FA Wind 2015 / Janto Trappe

Ebenso wie im Offenland müssen bei Vorhaben im Wald im Rahmen der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung Auswirkungen auf Mensch, Natur und Landschaft geprüft und unvermeidbare Eingriffe ausgeglichen werden. Außerdem müssen waldrechtliche Belange Berücksichtigung finden. Im Bundeswaldgesetz (BWaldG) sowie den jeweiligen Landeswaldgesetzen sind Vorschriften zu Ersatzaufforstungen oder Ausgleichsmaßnahmen für das Umwandeln von Wald in eine andere Nutzungsform (hier zur Windenergienutzung) festgeschrieben. Auch Aspekte des Brandschutzes im Wald werden im Genehmigungsverfahren abgehandelt.

Naturnahe Laub- oder Mischwälder weisen i.d.R. besonders hohe Lebensraumqualitäten für an den Wald gebundene Tier- und Pflanzenarten auf, so dass es bei Planungen an entsprechenden Standorten zu Zielkonflikten mit dem Natur- und Artenschutz kommen kann. Um diese zu vermeiden, empfiehlt das Bundesamt für Naturschutz, bevorzugt intensiv forstwirtschaftlich genutzte Waldflächen - insbesondere Fichten- und Kiefernforste - als Standorte für die Windenergieerzeugung zu prüfen und naturnahe Wälder freizuhalten.

Mit dem Ziel, Eingriffe in ein Waldökosystem gering zu halten, werden die Anlagenstandorte möglichst an bestehende Infrastrukturen wie Forstwege angebunden. Diese können für die Zuwegung, Verkabelung und Wartung sowie den Rückbau der Anlage genutzt werden. Insgesamt bedarf es einer sorgfältigen räumlichen und technischen Planung, bei der Fachwissen aus Forstwirtschaft, Naturschutz, Logistik und Landschaftsplanung eingebracht wird. Eine frühzeitige Information und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort kann außerdem zur Akzeptanz beitragen.

Trend

Der in den letzten Jahren politisch unterstützte und planerisch gesteuerte Ausbau der Windenergie in Süd- und Mitteldeutschland lässt erwarten, dass sich der Ausbau im Wald weiter fortsetzen wird. Die Nutzung von Wäldern erfordert mit Blick auf die möglichen Auswirkungen von Windenergieanlagen auf waldbewohnende Arten, den Naturhaushalt oder das Landschaftsbild weiterhin besondere Sensibilität. Wissenschaftliche Erkenntnisse in diesem Bereich werden fortlaufend ausgebaut, um bestehende Wissenslücken zu schließen (siehe Linkbox Forschungsvorhaben).

 

Weiterführende Informationen:

FA Wind Aktivitäten

Weitere Fachliteratur

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