Nordrhein-Westfalen (NW)

Nordrhein-Westfalen hat eine Fläche von 34.100 km² und ist damit das viertgrößte deutsche Bundesland. Mit einer Einwohnerdichte von 524 Einwohnern pro km² (dies entspricht insgesamt rund 17,6 Millionen) ist es das bevölkerungsreichste Land Deutschlands.

Die Landesregierung setzt sich seit 2017 aus CDU und FDP zusammen. Seit Juni 2017 ist Armin Laschet (CDU) Ministerpräsident.

Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag im Jahr 2015  bei 36.136 €. Der Anteil der landwirt-
schaftlichen Fläche an der Gesamtfläche belief sich im Jahr  2015 auf 48,5 Prozent, die forstwirtschaftliche Fläche auf 25,9 Prozent.

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2015

1. Energiepolitische Programmatik

 

Koalitionsvertrag (2017 - 2022)

Auszug windenergierelevanter Passagen

 „Der massive Ausbau der Windenergie stößt in weiten Teilen des Landes auf zunehmende Vorbehalte in der Bevölkerung. Wir wollen die Akzeptanz für die Nutzung der Windenergieanlagen erhalten. Dazu werden wir unter Berücksichtigung von Rechtssicherheit und Vertrauensschutz folgende Änderungen vornehmen:

  • Wir gehen davon aus, dass bei Neuanlagen eine Abstandsregelung von 1.500 Meter zu reinen und allgemeinen Wohngebieten rechtssicher umsetzbar ist. Wir wollen den rechtlichen Rahmen voll ausschöpfen.
  • Wir stärken die kommunale Entscheidungskompetenz.
  • Die Verpflichtung im Landesentwicklungsplan zur Ausweisung von Windvorrangzonen wird ebenso wie die Privilegierung der Windenergieerzeugung im Wald aufgehoben.
  •  Die bedarfsgerechte Befeuerung von Neuanlagen und mit Übergangsfrist auch für Altanlagen soll für Windenergieanlagenbetreiber verpflichtend werden.
  •  Um die Zahl neuer Anlagen zu beschränken und die Zahl von Altanlagen abzubauen, wollen wir an durch Windkraft geprägten Standorten Repowering ermöglichen.
  • Auf Bundesebene verfolgen wir konsequent die Abschaffung der baurechtlichen Privilegierung von Windenergieanlagen. Der Bestands- und Eigentumsschutz bindet uns für bestehende Altanlagen auch nach Ablauf der Typengenehmigung und umfasst auch die bis heute in der Ausschreibungsförderung nach EEG bezuschlagten Anlagen.
  •  Der Windenergieerlass wird im vorgenannten Sinne überarbeitet, um den angemessenen Anwohner-, Landschafts- und Naturschutz sicherzustellen.

Die Windpotenzialstudien NRW werden wir zu immissionsschutz-, erdbebensicherheits- und naturschutzbezogenen Planungsgrundlagen für Windstandorte in Nordrhein-Westfalen weiterentwickeln und diskriminierungsfrei zur Verfügung stellen, um insbesondere für Bürgerenergieprojekte die Umstellung der EEG-Förderung auf Ausschreibungsverfahren zu erleichtern.“

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Klimaschutzgesetz Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen hat als erstes Bundesland ein Gesetz zur Förderung des Klimaschutzes verabschiedet, um landeseigene Minderungsziele in Hinblick auf Treibhausgasemissionen zu erreichen. Dieses ist am 7. Februar 2013 in Kraft getreten.

Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen um mindestens 25 Prozent bis 2020 und um mindestens 80 Prozent bis 2050 (gegenüber dem Niveau von 1990) zu reduzieren.

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Installationsziel für die Windenergie

2. Fachliche Grundlagen

 

Potenzialstudie

Laut der Potenzialstudie Erneuerbare Energien NRW (aktualisierte Fassung von Januar 2013) soll der Anteil des Windstroms an der nordrhein-westfälischen Stromversorgung von derzeit knapp 4 % auf mindestens 15 % bis zum Jahr 2020 gesteigert werden. Die Studie führt verschiedene Szenarien zur Erreichung der Landesziele auf.

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Energieatlas NRW

Der Energieatlas Nordrhein-Westfalen stellt umfangreiche Informationen zu erneuerbaren Energien im Stromsektor in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung. Neben Auswertungen zum aktuellen Bestand stromproduzierender Anlagen werden Daten und Grundlagen zur Unterstützung des Ausbaus der erneuerbaren Energien vorgehalten.

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Klimaschutzplan NRW

Der Klimaschutzplan Nordrhein-Westfalen ist das zentrale Instrument, um die im Klimaschutzgesetz festgelegten Minderungsziele für Treibhausgase zu erreichen.

 

3. Zuständigkeiten und rechtlicher Rahmen

siehe 3.1 (Landesebene) und 3.2 (Regionale Ebene)

3.1 Landesebene

 

Landesministerien

Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen - Berger Allee 25 - 40213 Düsseldorf

Das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie ist in acht Abteilungen untergliedert. Die gesamte Abteilung VI beschäftigt sich mit dem Thema Energie. Erneuerbare Energien werden im Referat VI-A5 behandelt. Klimaschutz wird in der Abteilung VII thematisiert.

 

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen - Schwannstr. 3 - 40476 Düsseldorf

Das Umweltministerium bildet in acht Abteilungen ein breites Themenspektrum ab. Berührungspunkte mit windenergierelevanten Aspekten hat unter anderem die Abteilung III Forsten und Naturschutz. Immissionsschutz und Umwelt werden in Abteilung V bearbeitet. Das Referat VII-2 beschäftigt sich mitunter mit Bürgerbeteiligung.

 

Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen - Jürgensplatz 1 - 40219 Düsseldorf

Bei bauplanungsrechtlichen Einzelvorhaben wie dem Bau von Windenergieanlagen, die typischerweise im sogenannten Außenbereich verwirklicht werden, liegt die ministerielle Zuständigkeit im Bauministerium in der Abteilung VI.

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Landesplanungsbehörde

Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen - Horionplatz 1 - 40213 Düsseldorf

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Landesentwicklungsplan (LEP)

Auf der Ebene des Landes Nordrhein-Westfalen wird die Landesplanung von der Staatskanzlei als Landesplanungsbehörde wahrgenommen.

Der Landesentwicklungsplan ist das wichtigste Planungsinstrument der Landesplanungsbehörde. Dieser legt die räumlichen Ziele und Grundsätze der Landesentwicklung fest.

Die Landesregierung hat gemäß § 17 Absatz 2 des Landesplanungsgesetzes NRW den Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen (LEP NRW) mit Zustimmung des Landtags als Rechtsverordnung beschlossen. Der LEP ist am 25.01.2017 im Gesetz- und Verordnungsblatt (GV.NRW) veröffentlicht worden und in Kraft getreten.

Im Rahmen des Entfesselungspaketes II hat das Landeskabinett am 19. Dezember 2017 beschlossen, ein Änderungsverfahren für den LEP NRW einzuleiten. Am 17. April 2018 hat das Landeskabinett die Einleitung des Änderungsverfahrens beschlossen. Den Weg zur punktuellen Änderung des LEP möchte die Landesregierung transparent, beteiligungsorientiert und digital beschreiten. Von 7. Mai bis 15. Juli 2018 konnten alle Bürger, öffentliche Stellen und Institutionen ihre Stellungnahmen und Anregungen abgeben. Nach Auswertung und Beratung im Kabinett wird der geänderte LEP dem Landtag mit der Bitte um Zustimmung zugeleitet. Je nach Dauer der Beratungen und des Beteiligungsverfahrens dürfte der geänderte Plan im ersten Halbjahr 2019 in Kraft treten.

 

Windenergierelevante Auszüge aus dem gültigen LEP NRW

Natur, erneuerbare Ressourcen und Klima schützen (Kapitel 1.4; Auszug)

Die konsequente Nutzung der erneuerbaren Energien stellt eine tragende Säule der nordrhein-westfälischen Klimaschutzpolitik dar. Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen macht Nordrhein-Westfalen weniger abhängig von Energieimporten und trägt maßgeblich zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen bei. Die Energieerzeugung soll daher auf einen stetig steigenden Anteil erneuerbarer Energien umgestellt werden. Dabei spielt die Windenergie eine tragende Rolle, ohne deren Ausbau die nord-rhein-westfälischen Klimaschutzziele nicht erreicht werden können. Der Anteil der Windenergie an der Stromversorgung soll daher auf mindestens 15 % bis 2020 ausgebaut werden.

Ziel 7.3-1 Walderhaltung und Waldinanspruchnahme

Wald ist insbesondere mit seiner Bedeutung für die nachhaltige Holzproduktion, den Arten- und Biotopschutz, die Kulturlandschaft, die landschaftsorientierte Erholungs-, Sport- und Freizeitnutzung, den Klimaschutz und wegen seiner wichtigen Regulationsfunktionen im Landschafts- und Naturhaushalt zu erhalten, vor nachteiligen Entwicklungen zu bewahren und weiterzuentwickeln. Dazu werden in den Regionalplänen entsprechende Waldbereiche festgelegt.

Ausnahmsweise dürfen Waldbereiche für entgegenstehende Planungen und Maßnahmen nur dann in Anspruch genommen werden, wenn für die angestrebten Nutzungen ein Bedarf nachgewiesen ist, dieser nicht außerhalb des Waldes realisierbar ist und die Waldumwandlung auf das unbedingt erforderliche Maß beschränkt wird.

Die Errichtung von Windenergieanlagen ist möglich, sofern wesentliche Funktionen des Waldes nicht erheblich beeinträchtigt werden.

Grundsatz 10.2-3 Umfang der Flächenfestlegungen für die Windenergienutzung

Die von den Trägern der Regionalplanung zeichnerisch festgelegten Vorranggebiete für die Nutzung der Windenergie sollen mindestens folgende Flächenkulisse regionalplanerisch sichern:

  • Planungsgebiet Arnsberg 18.000 ha,
  • Planungsgebiet Detmold 10.500 ha,
  • Planungsgebiet Düsseldorf 3.500 ha,
  • Planungsgebiet Köln 14.500 ha,
  • Planungsgebiet Münster 6.000 ha,
  • Planungsgebiet des Regionalverbands Ruhr 1.500 ha.

Grundsatz 10.2-4 Windenergienutzung durch Repowering

Regional- und Bauleitplanung sollen das Repowering von älteren Windenergieanlagen, die durch eine geringere Anzahl neuer, leistungsstärkerer Windenergieanlagen ersetzt werden, unterstützen. Kommunale Planungsträger sollen die bauleitplanerischen Voraussetzungen schaffen, um die Repowering-Windenergieanlagen räumlich zusammenzufassen oder neu ordnen zu können.

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Flächenziel für die Ausweisung von Vorranggebieten für die Windenergienutzung

Die Potenzialstudie des LANUV belegt, dass die Ausbauziele des Landes für die Windenergienutzung bereits auf 1,6 % der Landesfläche (ca. 54.000 ha) erreichbar sind. Die Landesregierung erwartet, dass sich die Regionen und Kommunen bei Setzung eines Mindestziels nicht mit der Erfüllung des Minimums begnügen, sondern vielfach darüber hinaus gehendes Engagement zeigen und damit eine Flächenkulisse von insgesamt ca. 2 % für die Windenergienutzung eröffnet wird. (vgl. LEP NRW, Erl. zu Ziel 10.2-2 und Grundsatz 10.2-3)

  • Quelle: LEP NRW: Erläuterungen zu Ziel 10.2-2 und zu Grundsatz 10.2-3

3.2 Regionalebene

 

Planungsträger

Planungsträger sind die Regionalräte für die fünf Regierungsbezirke Detmold, Köln, Arnsberg, Düsseldorf und Münster (nach §§ 4, 6 Gesetz zur Neufassung des Landesplanungsgesetzes NRW). Im Verbandsgebiet des Regionalverbandes Ruhr ist regionaler Planungsträger die Verbandsversammlung des Regionalverbandes Ruhr.

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Instrumente der Regionalplanung

  • Vorranggebiete; verpflichtende Anwendung in der Regionalplanung (Ziel 10.2-2)

        Quelle: LEP NRW

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Regionalpläne

In NRW gibt es in sechs Planungsregionen Regionalpläne.

Bezirksregierung Arnsberg

 

Bezirksregierung Detmold

  • Regionalplan liegt flächendeckend in zwei räumlichen Teilabschnitten Oberbereich Bielefeld und Paderborn-Höxter vor (ohne Steuerung der Windenergie) (in Kraft seit 2004 bzw. 2008)
  • Textliche Ziele für die Nutzung der Windenergie sind im sachlichen Teilabschnitt „Nutzung der Windenergie“ festgelegt (Stand 28.02.2000)

 

Bezirksregierung Düsseldorf

 

Bezirksregierung Köln

  • Regionalplan (ohne Steuerung der Windenergie): (Teilabschnitt Aachen seit 2003 in Kraft, Teilabschnitt Bonn/Rhein-Sieg seit 2004, Teilabschnitt Köln 2001)

 

Bezirksregierung Münster

 

Regionalverband Ruhr

4. Planung und Genehmigung

 

Zuständigkeiten

Zuständig für die Erteilung der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung sind die Kreise und kreisfreien Städte als untere Umweltschutzbehörden (§ 1 der Zuständigkeitsverordnung Umweltschutz (ZustVU)).

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Erlasse

Erlass für die Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen und Hinweise für die Zielsetzung und Anwendung (Windenergie-Erlass)

Der Windenergie-Erlass der nordrhein-westfälischen Landesregierung zeigt unter Berücksichtigung der aktuellen Rahmenbedingungen auf, unter welchen Voraussetzungen der Ausbau der Windenergie planerisch gesteuert werden kann.

Die im Frühjahr neu gewählte Landesregierung hat den Windenergieerlass aus dem Jahr 2015 novelliert. Ziel der Novelle ist es, den Ausbau der Windenergie stärker an den Interessen der Anwohner zu orientieren und den Schutz von Natur und Umwelt bei der Errichtung neuer Windenergieanlagen sicherzustellen. Der neue Windenergie-Erlass ist mit Veröffentlichung im Ministerialblatt am 22.05.2018 in Kraft getreten.

 

Leitfaden Umsetzung des Arten- und Habitatschutzesbei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in Nordrhein-Westfalen“

 

Konzentrationszonen für Windenergieanlagen in unzerschnittenen verkehrsarmen Räumen

 * früher Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz

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Weiteres

  • Online-Tool zum Planungs- und Genehmigungsprozess von Windenergieanlagen in Nordrhein-Westfalen: WindPlanung.Navi

5. Windenergie und Naturschutz

Leitfaden Umsetzung des Arten- und Habitatschutzesbei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in Nordrhein-Westfalen“

Der Leitfaden aus dem Jahr 2013 befasst sich im Schwerpunkt mit den Anforderungen des Arten- und Habitatschutzes bei der Planung und Genehmigung von WEA in Nordrhein-Westfalen. Er bietet allen an Windenergieplanungen Beteiligten einen gemeinsamen Rahmen für die Durchführung von Artenschutzprüfungen, FFH-Verträglichkeitsprüfungen, Bestandserfassungen, die Erarbeitung von Maßnahmenkonzepten und das Monitoring. Die Zielgruppe des Leitfadens sind Behörden, Gemeinden und das interessierte Fachpublikum (Naturschutzverbände, Planungsbüros, Projektierer u.a.). Die aktuelle Version (1. Änderung, November 2017) greift Ergebnisse einer Anwenderbefragung auf und beinhaltet zudem neue Rechtsprechungen und Regelungen sowie neu herausgebrachte Gutachten.

* früher Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz _____________________________________________________________________________

Weitere naturschutzfachlich relevante Erlasse

* früher Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
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Umgang mit der nachträglichen Ansiedelung von europarechtlich geschützten Arten im Umfeld genehmigter Vorhaben

Das Rechtsgutachten setzt sich mit der Legalisierungswirkung von Genehmigungen, der Zurechenbarkeit von Artschutzkonflikten aufgrund einer nachträglichen Ansiedlung geschützter Arten sowie den Möglichkeiten und Grenzen des behördlichen Handelns auseinander.

* früher Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
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Fachbeitrag: Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bei Windenergievorhaben

Der Fachbeitrag stellt die rechtlichen Grundlagen der Eingriffsregelung dar und geht dabei auch auf spezielle Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen ein.

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Video: Wie wird ein Artenschutzgutachten erstellt?

Die EnergieAgentur.NRW begleitet in einem Video zwei Landschaftsökologen bei der Arbeit. Es wird anhand eines Beispiels erklärt, wie Tiere, die eventuell von Bau oder Betrieb einer Windenergieanlage gefährdet sein können, beobachtet und kartographiert werden und welche Zeiträume zu untersuchen sind, um ein Artenschutzgutachten zu erstellen.

6. Windenergie im Wald

 

Gemäß Ziel 7.3-1 des LEP NRW ist die Errichtung von Windenergieanlagen möglich, sofern wesentliche Funktionen des Waldes nicht erheblich beeinträchtigt werden. Dabei muss der Eingriff in den Wald bei einer Inanspruchnahme für die Windenergienutzung auf das unbedingt erforderliche Maß beschränkt werden (siehe Kapitel 3.1).

Konkretisiert wird die Nutzung des Waldes durch den Windenergieerlass (2018) (siehe Kapitel 4). Laut diesem unterliegen Waldbereiche einer Einzelfallprüfung. Eine Umwandlung von Waldflächen für die Windenergienutzung kommt in der Regel nicht in Betracht, wenn es sich um standortgerechte, strukturreiche Laubwälder hoher Biotopwertigkeit, Naturwaldzellen, Prozessschutzflächen, Saatgutbestände, langfristig angelegte forstwirtschaftliche Versuchsflächen oder historisch bedeutende Waldflächen handelt. Dahingegen kann in strukturarmen Nadelwaldbeständen sowie auf Waldflächen, die jeweils aktuell aufgrund von abiotischen oder biotischen Faktoren wie Sturm, Eiswurf/Eisbruch oder Insektenfraß ohne Bestockung sind, in aller Regel eine Waldumwandlungsgenehmigung erteilt werden.

Die im Juni 2017 neu gewählte Landesregierung aus CDU und FDP möchte laut Koalitionsvertrag die Privilegierung der Windenergieerzeugung im Wald aufheben. Dazu sollen der LEP und der Windenergieerlass entsprechend überarbeitet werden (siehe Kapitel 1).

Der Windenergieerlass wurde im Mai 2018 novelliert, wodurch der 2012 in Kraft getretene Leitfaden zu den Rahmenbedingungen für Windenergieanlagen auf Waldflächen in NRW, welcher bislang als Grundlage für forstfachliche Stellungnahmen diente, aufgehoben wurde. Im April 2018 hat die Landesregierung außerdem die Änderung des LEP beschlossen. Gemäß Entwurf soll das Ziel, welches die Errichtung von Windenergieanlagen im Wald ermöglicht, zukünftig gestrichen werden (siehe Kapitel 3.1).

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Windenergie im Staatswald

Das Land Nordrhein-Westfalen ist nicht nur hoheitlich, sondern durch seine Staatswaldflächen auch als Waldbesitzer vom Ausbau der Windenergie auf Waldflächen betroffen. Der Landesbetrieb Wald und Holz bringt die von ihm verwalteten kleineren Flächen in Flächenpools mit anderen Eigentümern ein, um eine zusammenhängende Entwicklung von Standorten zu ermöglichen. Des Weiteren führt der Landesbetrieb regelmäßig Interessenbekundungsverfahren für potenzielle Standortflächen durch.

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Infoheft „Windenergie im Wald“

Die Broschüre gibt Auskunft über die Chancen und Potenziale der Windenergie im Wald und soll Vorurteile beseitigen.

  • Landesverband NRW des Bundesverbandes Windenergie (BWE NRW) und Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW): Windenergie im Wald (2016)

7. Windenergie und Beteiligung

 

Leitfäden und Broschüren

Öffentlichkeitsbeteiligung in Planungsprozessen

Finanzielle Beteiligung

8. Beratungs- und Vernetzungsstrukturen

  • Die EnergieAgentur.NRW fungiert als Dienstleisterin mit breiter Kompetenz im Energiebereich. Ihre Tätigkeitsbereiche liegen bei der durchgehenden Unterstützung der Forschung, der technischen Entwicklung und Markteinführung, bei der Energieberatung und vielem mehr.

  • Der EnergieDialog.NRW ist die Dialogplattform der EnergieAgentur.NRW. Sie unterstützt Kommunen, Unternehmen und Bürger von neutraler Seite bei der Planung und Umsetzung lokaler Erneuerbare Energien-Projekte mit Fachinformationen, sachkundiger Beratung und einer Vermittlung in Konfliktfällen.

  • Die Online-Community und Dialogplattform "Bürgerenergie und Energiegenossenschaften" der EnergieAgentur.NRW richtet sich speziell an Bürgerenergieakteure und Genossenschaften. Sie dient einem besseren gegenseitigen Austausch und der engeren Vernetzung mit anderen Bürgerenergieakteuren.

  • Der WindDialog.NRW informiert sachlich über die Windenergie, beantwortet drängende Fragen und soll die Transparenz konkreter Vorhaben erhöhen.

  • Das Netzwerk Windenergie NRW hat unter anderem die Vernetzung von Wirtschaft, Politik und Forschung und die Stärkung der NRW-Windbranche zur Aufgabe.

  • Der Windstammtisch NRW dient dem Austausch aller, die in der Windenergie-Branche aktiv sind. Hersteller, Zulieferer, Betreiber, Serviceunternehmen sowie Vertreter aus Politik und Medien aus NRW aber auch Gäste können hier bestehende Kontakte pflegen und neue knüpfen.

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Weitere Akteure

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Kommunale Spitzenverbände

9. Fördereinrichtungen, Fonds, Banken, andere Träger

  • Das Förder.Navi ist ein Instrument für Privatpersonen, Unternehmen, Kommunen und gemeinnützige Organisationen, das Fördermöglichkeiten zur Energieeinsparung oder zur Anwendung erneuerbarer Energie durch das Land Nordrhein-Westfalen der den Bund aufzeigt.

  • Im Programm für rationelle Energieverwendung, regenerative Energien und Energiesparen - progres.nrw -  werden die förderpolitischen Aktivitäten zur Energiepolitik im Land gebündelt mit dem Ziel, die verschiedenen Anlagetechnologien in einem ausgewogenen Mischungsverhältnis zur Anwendung kommen zu lassen.

  • Die Förderdatenbank des Bundes gibt einen umfassenden und aktuellen Überblick über die Förderprogramme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union. Das Fördergeschehen wird unabhängig von der Förderebene oder dem Fördergeber nach einheitlichen Kriterien und in einer konsistenten Darstellung zusammengefasst.

  • Die NRW Bank vergibt zinsgünstige Darlehen zur Finanzierung von Investitionen in Energieinfrastruktur, unter anderem für Windenergieanlagen und Bürgerwindparks.



10. Bildung und Forschung

  • Der Cluster EnergieForschung.NRW (CEF.NRW) arbeitet im Auftrag des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Er beschäftigt sich insbesondere mit der Umsetzung der energiewirtschaftlichen und klimapolitischen Zielvorgaben der Landesregierung. An über 30 Standorten an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wird auf allen relevanten Gebieten der Energietechnik geforscht und gelehrt. Die Internetseite CEF.NRW stellt einige Einrichtungen und regionale Kompetenzen der nordrhein-westfälischen Energieforschungslandschaft beispielhaft vor.

  • Eine Schlüsselrolle für die Aktivitäten der Landesregierung hat der Projektträger ETN (Energie, Technologie, Nachhaltigkeit) am Forschungszentrum Jülich, der die Leitmarktwettbewerbe für das Land organisiert.

  • Die Landesregierung hat bereits seit 1996 ein Windenergie-Testfeld in Grevenbroich initiiert, wo die Vermessung der neuesten Anlagentechnik vorgenommen wird.

  • Am Center for Wind Power Drives - CWD - an der RWTH Aachen - mit Testständen für Antriebsstränge von Windanlagen 1 MW und 4 MW werden komplette Antriebsstränge von Onshore-Windenergieanlagen getestet.



11. Windenergiestatistik

 

Installierte elektrische Leistung Windenergie an Land 

  • 2015: 4.048 MW, davon 96,4 MW im Wald
  • 2016: 4.602 MW, davon 142,2 MW im Wald
  • 2017: 5.456 MW, davon 164,5 MW im Wald

Quelle: www.foederal-erneuerbar.de; WEA im Wald: eigene Erhebung

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Anzahl der Windenergieanlagen an Land

  • 2015: 2.904 Anlagen, davon 43 Anlagen im Wald
  • 2016: 3.094 Anlagen, davon 60 Anlagen im Wald
  • 2017: 3.384 Anlagen, davon 67 Anlagen im Wald

Quelle: www.foederal-erneuerbar.de; WEA im Wald: eigene Erhebung

Auf windguard.de werden auch Halbjahreszahlen veröffentlicht.

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Übersichtskarte Bestand Windenergieanlagen

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Weitere Daten unter:

12. Wirtschaftliche Strukturen, Entwicklungen und Arbeitsmarkt

 

Fakten zur Windbranche NW

  • Bruttobeschäftigung Windenergie: ca. 20.570 (Stand 2016)
  • Rund 2,3 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2012 (Anlagen- & Systembau im Bereich Windenergie)
  • Etwa eine Milliarde Euro Gesamteffekt auf die Wirtschaftsleistung im Jahr 2012
  • 307 Millionen Euro Steuern und Sozialversicherungsabgaben durch die Windbranche und die Zuliefererindustrie im Jahr 2012
  • 73 Millionen Euro im Jahr für die kommunalen Kassen des Landes

Quelle Zahlen 2012 und weitere Informationen: Landesverband Erneuerbare Energien NRW e.V. Daten und Fakten zur Windenergie; Beschäftigungszahlen 2016: foederal-erneuerbar.de

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Publikationen zum Thema

13. Weitere Informationen

 

Publikationen

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Tourismus

EnergieTour Eifel

„Erneuerbare Energien Erleben“ – damit wirbt die EnergieTour Eifel. Im Rahmen dieser können Standorte der Erneuerbaren Energien in der Nordeifel besucht und am Ort der Energiegewinnung mehr über die Thematik in Erfahrung gebracht werden. Zur Tour gehören unter anderem die Besucherwindanlage Windfang in Aachen sowie eine Windenergieanlage des Windparks Schmidt in Nideggen. Aber auch acht weitere Anlagen zur Energiegewinnung aus Sonne, Wasser, Holz und Biogas können besichtigt werden.

 

Mühlenheider Windkraftmuseum e. V.

Ziel des Mühlenheider Windkraftmuseums ist die Dokumentation und Sicherung der geschichtlichen Wurzeln der modernen Windenergienutzung. Zudem möchte der Verein die Nutzung der Windenergie für die Öffentlichkeit erlebbar machen. Kernaufgabe des Museums ist es, Windenergieanlagen aus den 1980er und 1990er Jahren zu bewahren und zu pflegen.

 

Ausstellung: Energiewenden – Wendezeiten

Die Ausstellung läuft vom 20. Oktober 2017 bis 28. Oktober 2018 im LVR-Industriemuseum in Oberhausen anlässlich der Stilllegung der letzten Steinkohlezeche in Deutschland. Sie beschäftigt sich mit den Veränderungen des Energiesystems im Ruhrgebiet, welches entscheidend vom Kohlevorkommen in der Region geprägt wurde. Doch auch die Bedeutung anderer Wege der Energiegewinnung wie der Windenergie beispielsweise und deren Entwicklung im Laufe der Zeit können auf über 900 m² entdeckt werden.