Sachsen-Anhalt (ST)

Sachsen-Anhalt hat eine Fläche von 20.451,58 km² und eine Einwohnerdichte von 110 Einwohnern pro km². Die Gesamteinwohnerzahl liegt bei 2.245.470.

Die amtierende Landesregierung setzt sich seit 2016 aus CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen zusammen. Seit 2011 ist Dr. Reiner Haseloff (CDU) Ministerpräsident.

Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag im Jahr 2015 im Durschnitt bei 25.036 €.

Der Anteil der landwirtschaftlichen Fläche an der Gesamtfläche belief sich 2014 auf 61,4 Prozent, die forstwirtschaftliche Fläche auf 24,7 Prozent.

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2015

1. Energiepolitische Programmatik

Koalitionsvertrag (2016-2021)

Auszug windenergierelevanter Passagen

Kapitel „Umwelt“:

„Die Energieproduktion in den Windvorranggebieten muss erhöht werden. Dazu sind insbesondere die Potentiale des Repowering zu nutzen. Die geltenden Abstandsregelungen und -flächen für Windkraftanlagen sind dahingehend zu überprüfen. Der Artenschutz an Windkraftanlagen ist mit dem erforderlichen Ausbau der erneuerbaren Energien in Einklang zu bringen.“

Kapitel „Landesentwicklung nachhaltig gestalten“:

„Die Klima- und Energiepolitik in Deutschland hat sich grundlegend verändert. Der Anteil erneuerbarer Energie an der Bruttostromerzeugung wächst kontinuierlich. Der Ausbau der erneuerbaren Energien soll im Land Sachsen-Anhalt weiterhin durch geeignete Instrumente der Landesentwicklungsplanung unterstützt und gesteuert werden. Dabei werden wir insbesondere darauf achten, dass, abweichend von der gesetzlichen Repowering-Regelung im Landesentwicklungsgesetz, eine Einzelwindkraftanlage außerhalb von Eignungsgebieten durch eine neue Einzelwindkraftanlage innerhalb eines Eignungsgebietes ersetzt werden kann. Wir bitten die Regionalen Planungsgemeinschaften zu prüfen, welcher Handlungsbedarf bei der Ausweisung von Vorrang- und Eignungsgebieten zur Windenergienutzung besteht, um das Ziel des vollständigen Repowerings zu erreichen.“

  • SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt: Zukunftschancen für Sachsen-Anhalt – verlässlich, gerecht und nachhaltig. Koalitionsvertrag 2016 – 2021

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Potenzialabschätzung für die Windenergie

2. Fachliche Grundlagen

Klimaschutzprogramm 2020

Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt hat im Jahr 2010 das Klimaschutzprogramm 2020 beschlossen. Das Programm fasst eine Vielzahl von Maßnahmen zusammen, die zur Einsparung von Energie und zur Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen führen. Mit diesem Programm wurde das Klimaschutzprogramm aus dem Jahr 1997 abgelöst.

Im Dezember 2015 wurde die Halbzeitbilanz für das Klimaschutzprogramm 2020 von der Landesregierung vorgestellt. Hierfür wurde eine Monitoring zum Klimaschutzprogramm durchgeführt.

Das Klimaschutzprogramm 2020 baut auf den Daten und Informationen des Klimaschutzkonzeptes „Potentiale für eine nachhaltige Klimaschutzpolitik“ auf, das durch das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt im Jahr 2007 in Auftrag gegeben wurde.

Klima- und Energiekonzept

Die Landesregierung hat sich 2016 das Klimaschutzziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die Treibhausgasemissionen im Land auf 31,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zu begrenzen. Das bedeutet gegenüber 2012 eine Reduktion um mehr als fünf Millionen Tonnen. Um dies zu erreichen, hat sich die Landesregierung darauf verständigt, ein Klima- und Energiekonzept zu erarbeiten. 

Energiekonzept 2030

Das Energiekonzept 2030 stellt die Fortschreibung des weiterhin gültigen Landesenergiekonzepts aus dem Jahre 2007 dar. Es ist als Ergänzung und als Aktualisierung für Bereiche zu sehen, in denen es zu wesentlichen Änderungen gekommen ist. Thematisch ist das Energiekonzept eng verzahnt mit dem Klimaschutzprogramm des Landes.

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Repowering

Zur Umsetzung der im Koalitionsvertrag getroffenen Vereinbarungen, Repoweringpotentiale zu nutzen und ein vollständiges Repowering zu erreichen, wurde 2016 von der Landesregierung eine Interministerielle Arbeitsgruppe (ImAG Repowering) einberufen.

Die Arbeit der ImAG-Repowering konnte zum 2017 veröffentlichten Zwischenbericht einige Entwicklungs-und Ausbaupfade durch das vollständige Repowering der WEA beschreiben. Doch darüber hinaus ergeben sich weitere komplexe Betrachtungsaufgaben, die bis zum Endbericht beleuchtet werden sollen. Dieser soll im Herbst 2018 veröffentlich werden.

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Übersicht von Potenzialen zur Windenergie in Sachsen-Anhalt im Energieatlas

3. Zuständigkeiten und rechtlicher Rahmen

siehe 3.1 (Landesebene) und 3.2 (Regionale Ebene)

3.1 Landesebene

Landesministerien

Landesministerien

Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Energie des Landes Sachsen-Anhalt - Leipziger Str. 58 - 39112 Magdeburg

Das Ministerium besitzt sechs Abteilungen. Klimaschutz und erneuerbare Energien sind in Abteilung 3 verortet.

Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt- Tumschanzenstraße 30 - 39114 Magdeburg

Das Ministerium ist oberste Landesplanungsbehörde und in vier Abteilungen untergliedert.

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Landesentwicklungsplan 2010 des Landes Sachsen-Anhalt

 Windenergierelevante Auszüge aus dem LEP

Kapitel 3.4 Energie

„In den Regionalen Entwicklungsplänen sind die räumlichen Voraussetzungen für die Nutzung der Windenergie zu sichern. Dabei ist zur räumlichen Konzentration eine abschließende flächendeckende Planung vorzulegen.“

„Für die Nutzung der Windenergie sind geeignete Gebiete für die Errichtung von Windkraftanlagen raumordnerisch zu sichern. Dazu sind Vorranggebiete mit der Wirkung von Eignungsgebieten festzulegen.“

„Darüber hinaus können Eignungsgebiete für die Errichtung von Windkraftanlagen festgelegt werden.“

„Bei der Festlegung von Vorranggebieten bzw. Eignungsgebieten für die Nutzung von Windenergie sind vorhandene Konversionsflächen und Industriebrachen vorrangig zu prüfen.“

„Repowering ist nur in Vorranggebieten mit der Wirkung von Eignungsgebieten sowie in Eignungs-gebieten für die Nutzung von Windenergie zulässig. Raumordnerisches Ziel ist dabei eine Verbesserung des Landschaftsbildes und eine Verminderung von belastenden Wirkungen.“

„Für zulässigerweise außerhalb von Vorranggebieten mit der Wirkung eines Eignungsgebietes und Eignungsgebieten errichtete Windkraftanlagen (Altanlagen), für die nach den Vorschriften des EEG ein Repowering angestrebt wird, können die Gemeinden einen Antrag auf Festlegung eines Vorranggebietes mit der Wirkung eines Eignungsgebietes oder eines Eignungsgebietes bei der zuständigen Regionalen Planungsgemeinschaft stellen. Voraussetzung dafür ist eine wesentliche Verringerung der Anzahl der Altanlagen um mindestens die Hälfte der Standorte sowie eine verbindliche Vereinbarung des Rückbaus aller zu ersetzenden Windkraftanlagen mit einer festgelegten Übergangszeit, spätestens bis zur Inbetriebnahme der neuen Anlagen; dabei sind bereits stillgelegte Anlagen nicht mit einzubeziehen.“

3.2 Regionalebene

Planungsträger

Planungsträger sind die regionalen Planungsgemeinschaften für die Planungsregionen Altmark, Magdeburg, Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg, Halle und Harz (§ 17 Landesplanungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (LPlG)). Die regionalen Planungsgemeinschaften setzen sich aus den Landkreisen und kreisfreien Städte der jeweiligen Planungsregion zusammen.

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Instrumente der Regionalplanung

  • Vorranggebiete mit der Wirkung von Eignungsgebiete

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Regionale Entwicklungspläne

In Sachen-Anhalt gibt es in fünf Planungsregionen Regionalpläne.

Regionale Planungsgemeinschaft Altmark

Regionale Planungsgemeinschaft Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg

  • Regionaler Entwicklungsplan 2005 Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg (in Kraft seit 24.12.2006, derzeit in Fortschreibung)
  • Der Sachliche Teilplan „Nutzung der Windenergie in der Planungsregion Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg“ wurde am 30.05.2018 durch die Regionalversammlung beschlossen. Am 01.08.2018 wurde durch die oberste Landesentwicklungsbehörde die Genehmigung erteilt und mit der Bekanntmachung (28./29.09.2018) tritt der Teilplan in Kraft.
  • Weitere Informationen

Regionale Planungsgemeinschaft Halle

RegionalePlanungsgemeinschaft Harz

Regionale Planungsgemeinschaft Magdeburg

  • Regionaler Entwicklungsplan für die Planungsregion Magdeburg (Beschluss vom 17.05.2006) - Teil 1 / Teil 2 (Begründung, Standortkonzeption Windenergie)
  • zur Zeit in der Neuaufstellung

4. Planung und Genehmigung

Zuständigkeiten

Zuständig für die Erteilung der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung nach BImSchG in Sachsen-Anhalt sind ausschließlich die Landkreise.

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Erlasse

  • Kein Windenergieerlass bekannt

5. Windenergie und Naturschutz

Leitfaden Artenschutz an Windenergieanlagen in Sachsen-Anhalt

Das Ziel des Leitfadens Artenschutz an Windenergieanlagen, der unter Beteiligung der Windenergiebranche und der Naturschutzverbände erstellt wurde, ist es, für die Windenergiebetreiber Rechtssicherheit zu schaffen, Verluste von Tierarten an WEA zu verringern sowie den Artenschutz zu verbessern. Für die Genehmigungsbehörde soll mit der Zielsetzung, Konflikte aufzulösen, ein einheitliches Vorgehen geregelt werden.

Artenhilfsprogramm Rotmilan des Landes Sachsen-Anhalt

In dem Artenhilfsprogramm werden die aktuelle Situation des Rotmilans im Land und die besondere Bedeutung Sachsen-Anhalts bei Schutz des Rotmilans dargestellt, die Gefährdungsursachen wie u.a. die Windenergie analysiert und Empfehlungen für den Schutz des Greifvogels in Sachsen-Anhalt gegeben.

6. Windenergie im Wald

In Sachsen-Anhalt ist die Umwandlung von Wald zur Errichtung von Windenergieanlagen nicht zulässig (§ 8 Abs. 1 Satz 3 Landeswaldgesetz).

7. Windenergie und Beteiligung

Es sind keine Leitfäden oder Broschüren bekannt.

8. Beratungs- und Vernetzungsstrukturen

  • Vor dem Hintergrund eines landesspezifischen Beitrags zur „Energiewende“ hat Sachsen-Anhalt im Dezember 2012 auf der Basis des aktuellen Koalitionsvertrages die Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt GmbH (LENA) gegründet. Alleiniger Gesellschafter ist das Land Sachsen-Anhalt. Zum Aufgabenspektrum gehören Schwerpunkte wie Orientierungsberatung, Aus-, Fort-, und Weiterbildung, Informations- und Kommunikations-, sowie Netzwerkarbeit auf allen Gebieten der Energieerzeugung, -versorgung und -verwendung. Die produkt- und anbieterneutralen Tätigkeiten richten sich an die Wirtschaft, den öffentlichen Sektor und die privaten Verbraucher.

  • Die Investitions- und Marketinggesellschaft mbH (IMG) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Sachsen-Anhalt. Als Dienstleister im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft und Wirtschaft vermarktet sie den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Sachsen-Anhalt Investitions- und Marketinggesellschaft mbH (IMG).

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Weitere Akteure

  • Der Landesverband Erneuerbare Energie Sachsen-Anhalt e.V. (LEE) ist der Dachverband der Erneuerbare-Energien-Branche in Sachsen-Anhalt. Er fungiert als Interessenvertretung der Bereiche Windenergie, Solarenergie, Bioenergie, Geothermie, Wasserkraft, Kraft-Wärme-Kopplung und Energieeffizienz. Der LEE vertritt die Interessen der Branche gegenüber Politik und Öffentlichkeit.

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Kommunale Spitzenverbände

  • Das kommunale Sachsen-Anhalt Netz (komsanet) ist die gemeinsame Informationsplattform des Städte- und Gemeindebunds Sachsen-Anhalt und des Landkreistags Sachsen-Anhalt.

9. Fördereinrichtungen, Fonds, Banken, andere Träger

Die Förderdatenbank des Bundes gibt einen umfassenden und aktuellen Überblick über die Förderprogramme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union. Das Fördergeschehen wird unabhängig von der Förderebene oder dem Fördergeber nach einheitlichen Kriterien und in einer konsistenten Darstellung zusammengefasst.

10. Bildung und Forschung

An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  wird der Studiengang Erneuerbare Energien angeboten.

In Magdeburg   kann man an der Otto-von-Guericke Universität den Studiengang „Elektrische Energiesysteme – Regenerative Energie“sowie „Nachhaltige Energiesysteme“ belegen. In einem Modul wird „Windenergie“ gelehrt.

Das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung(IFF) arbeitet wissenschaftlich eng mit der Otto-von-Guericke-Universität zusammen. Das gemeinsame Kompetenzzentrum Energienetze und Regenerative Energien beschäftigt sich mit der Entwicklung von effizienten und sicheren elektrischen Verteilungsnetzen mit einem hohen Anteil der Einspeiseleistung aus regenerativen Energiequellen und effizienten Energiewandlungsanlagen für regenerative Festbrennstoffe zur Grundlastversorgung elektrischer Netze mit hoher Verfügbarkeit.

Das Zentrum für Regenerative Energien Sachsen-Anhalt e.V. (ZERE) wurde am 5. April 2006 auf Anregung des Wirtschaftsministeriums des Landes Sachsen-Anhalt gegründet. Als übergreifende Initiative zum fachlichen Austausch sowie zur Bündelung und Koordinierung von Aktivitäten der in den verschiedenen Fachdisziplinen tätigen Wirtschaftsunternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen trägt der Verein der anspruchsvollen Zielstellung des Landes Sachsen-Anhalt Rechnung, seine führende Stellung im Bereich der regenerativen Energien weiter zu festigen und auszubauen.

11. Windenergiestatistik

Installierte elektrische Leistung Windenergie

  • 2015: 4.592 MW
  • 2016: 4.855 MW
  • 2017: 5.115 MW

Quelle: www.foederal-erneuerbar.de

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Anzahl der Windenergieanlagen in ST

  • 2015: 2.705 Anlagen
  • 2016: 2.795 Anlagen
  • 2017: 2.873 Anlagen

Quelle: www.foederal-erneuerbar.de

Auf windguard.de werden auch Halbjahreszahlen veröffentlicht.

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Weitere Daten unter:

12. Wirtschaftliche Strukturen, Entwicklungen und Arbeitsmarkt

 Fakten zur Windbranche ST

  • Anzahl der Arbeitsplätze: ca. 12.550 (Stand: 2015)

    davon:

    • 10.718 Beschäftigten im Bereich der Herstellung von Windenergieanlagen
    • 1.832 Beschäftigte im Bereich Betrieb/Service von Windenergieanlagen

 Quelle: Erneuerbar beschäftigt – Umsätze und Beschäftigung durch Erneuerbare Energien, Sachsen-Anhalt, GWS, AEE (April 2017)

13. Weitere Informationen

Publikationen

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Tourismus

Energiepark Druiberg

Der Windpark-Druiberg hat sich zum Ausflugsziel für Schulklassen, Studierenden, Unternehmen und Touristen entwickelt. Der Park informiert über erneuerbare Energie, aber auch über die Flora und Fauna der Umgebung. Im Windpark befinden sich neben einem Spielplatz auch Aussichts- und Ruhepunkte, eine Teichlandschaft und ein Eventbereich.

Energielehrpfad Dobberkau

Der Energielehrpfad Dobberkau vermittelt Wissen über den in direkter Nähe liegenden Windpark und die Nutzung von Biomasse, Solarenergie und Wasserkraft.

Letzte Aktualisierung: November 2018